Kleingartenpark Rosenthal Nord e.V.
Tipps für den Garten
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Verfasst am 16.02.2017 um 19:00 Uhr

Gartenmythen -was man immer dachte

Die Weitergabe von Informationen und Erfahrungen unter uns Menschen die erdacht und überliefert wurden bezeichnet man als Mythen. Mythen zeichnen Irrglauben unter uns aus. 

 

Mythen zum Thema Garten sind sehr groß und bedürfen einer Überprüfung. Durch Veränderungen in der Gesellschaft z.B. beim Klima und durch neue Erkenntnisse hat sich auch im Bereich des Gärtnerns einiges getan. Nach dem Motto „Im Garten entsteht immer wieder etwas neues“.

 

Jeder kennt die Redewendung: Das war schon immer so, warum soll das alte Wissen nicht mehr stimmen? Viele alte Empfehlungen für den Garten werden gerne so hingenommen ohne es zu Hinterfragen oder zu untersuchen. Dieser Artikel soll dazu dienen die alten Gepflogenheiten mal genauer zu betrachten.

Pflanzungen soll man an besten im Frühling oder im Herbst erledigen

Das ist grundsätzlich richtig, nicht im Sommer und Winter zu pflanzen. Durch den Vertrieb von Container- und Topfpflanzen ist es zwar technisch möglich auch im Frühjahr zu pflanzen. Dies ist aber nicht anzuraten. Als neueste Empfehlung sollte verstärkt auf die Herbstpflanzung gesetzt werden, weil in diesem Zeitfenster mehr Niederschlag zu erwarten ist und so ein besseres Anwachsen gewährleistet wird als im Frühjahr.

 

Das Pflanzloch sollte mindestens doppelt so groß sein wie der Wurzelballen der Pflanze

Das klingt erst mal gut, aber es ist für die Pflanze reiner Luxus und für uns harte Arbeit so ein Pflanzloch zu erstellen. Die neuen Pflanzen müssen sich an die Umgebung schneller anpassen und dürfen nicht zu stark verwöhnt werden. Die feinen Wurzeln entwickeln sich nicht ausreichend stark, um auch in schwere Bodenschichten zu gelangen. Versuchen Sie möglichst ein wenig größer als der Ballen der Pflanze auszuheben, um dazwischen gute Pflanzerde einzubringen. Starke Verdichtungen im Untergrund sollten durchbrochen werden.

 

Der Boden sollte umgegraben werden

Bei zu tiefem Umgraben wird die von Bodenorganismen gut durchsetzte obere Bodenschicht nach unten gekehrt. Das Bodenleben wird hierdurch abgetötet! Auch der Humus wird nach unten gebracht.

Die meisten Bodenorganismen leben in der oberen Bodenschicht von 0-30cm. Durch verschiedene Situationen wie geringe oder kein Mulch bzw. Pflanzendecke, zu tiefes Umpflügen bzw. Umgraben, äußere Faktoren wie Trockenheit, Nässe, Hitze und Frost können die Bodenorganismen nachhaltig gestört werden. Besser wäre es den Boden durch eine Grabegabel oder einen „Sauzahn“ zu lockern und aufzureißen.

 

Beim Pflanzen sollte man Pflanzerde und Kompost verwenden

Neue Erkenntnisse sagen, dass stark humushaltige Bodenverbesserer, wenn sie in tiefere Bodenschichten gelangen, faulen können und die Wurzeln der neuen Pflanzen schädigen. Zusätzlich können zu viele Nährstoffe an den jungen Wurzeln Verbrennungen verursachen. Die Wurzeln sollten zum Anfang nicht zu stark verwöhnt werden, sie sollen sich selbst die Nährstoffe erschließen. 

 

Beim Pflanzen wird der Ballen fest angetreten

Damit der neue Baum gut feststeht, wird die Erde um den Ballen gut festgetreten. Hierdurch verdichten wir den Boden sehr stark und schädigen auf dieser Weise die Wurzeln des jungen Baumes. Zur Verfestigung des Bodens sollte leicht angetreten werden und mit Hilfe eines Gießrandes gut gewässert werden. Jetzt verbinden sich die Hohlräume zu einem guten „Bodenschluss“.

 

Die Pflanze so tief einpflanzen, wie sie in der Baumschule gestanden hat

Lieber die Gehölze etwas höher im Garten pflanzen, weil sich die lockere Erde noch setzt und damit geht das Gehölz gleich ein wenig tiefer. Gut wäre, wenn der Wurzelhals leicht aus der Erde schaut. Unter Umständen muss die Erde am Stamm freigelegt werden. Je tiefer ein Gehölz gepflanzt wird, desto schwieriger gestaltet sich seine Lebensphase. 

 

Starker Rückschnitt bei Neupflanzungen

Kann nicht so allgemein gesagt werden, weil die Ausgangssituation der Pflanzen verschieden ist. Gehölze ohne Ballen sollten lieber kräftiger heruntergeschnitten werden, als Pflanzen im Ballen oder aus einem Container. Alle haben unterschiedliche Voraussetzungen zum Anwachsen. Wenn die Wurzel stärker in Mitleidenschaft genommen ist, sollte auch oberhalb der Pflanze ein Ausgleich geschaffen werden, damit die restlichen Wurzeln die Pflanze ernähren können. Wichtig ist das Verhältnis unter und über der Erde. 

 

Obstbäume werden im Winter geschnitten

Diese Weisheit ist längst überholt und sollte sich den jetzigen Erkenntnissen und Erfahrungen anpassen. Es wird der Sommerschnitt immer populärer und sinnvoller. Die entstehenden Wunden werden durch den Saftfluss der Pflanze viel schneller verschlossen als im Winterhalbjahr. Der Nachteil im Sommer ist, daß man leider nicht den guten Überblick des Baumes hat durch seine Belaubung. Der Winterschnitt sollte viel stärker im Frühjahr angesiedelt werden. Dann ist die Wundheilung schneller im gang und die ersten aufsteigenden Wuchsstoffe werden gleich mit weggeschnitten, so dass nicht zu viele Wasserschosser entstehen können

 

Schattenrasen ist nur für schattige Flächen da

Alle Rasengräser benötigen Sonne, um sich zu entwickeln. Es gibt verschiedene Rasenmischungen für den Garten die auf unterschiedliche Ansprüche entwickelt wurden. Nur eins haben alle gemeinsam sie benötigen volle Sonne. Ein Schattenrasen wächst auch vorzüglich am sonnigen Standort. An absolut schattigen Flächen, an denen weniger als 6h Sonne am Tag auf die Erde gelangt ist mit jeder Rasenmischung Schluss. Hier sollte sich was anderes als Rasen überlegt werden z.B. schattenverträgliche Stauden.

 

Im Frühjahr muss der Rasen vertikutiert werden

Der Rasen steht im Frühjahr wieder im Mittelpunkt unserer gärtnerischen Arbeiten und wird vielfach vertikutiert. Das ist Stress für unseren Rasen, wenn wir zu früh und zu stark mit dem Vertikutierer den Rasen bearbeiten. Die neuen Wurzeln werden verletzt und es entstehen Lücken, auf die sich das neue Unkraut freut und Fuß fassen kann. Wenn Sie die Rasenfläche vertikutieren möchten, machen Sie es in der späteren Vergetationszeit, wo sich der Rasen gut entwickelt. Stellen Sie den Vertikutierer nicht zu tief ein so, daß die Gräserwurzeln nicht zu stark verletzt werden. Anschließend sollte der Rasen nachgesät, gedüngt und gewässert werden.

 

Wir müssen den Rasen kalken, wenn er zu viel Moos hat

Moos ist eine Zeigerpflanze für einen falschen Standort für unsere Rasenpflanzen. Der Standort ist möglicherweise zu schattig, zu feucht, zu stark verdichtet, nährstoffarm oder die Bodensäure (pH-Wert) stimmt nicht für unsere Rasengräser. Kalk kann nur ein mögliches Problem lösen, und zwar die Bodensäure anzuheben. Versuchen Sie die Ursache vom Moos in Ihrem Rasen zu finden und dem Rasen eine angepasste Lösung anzubieten. 

 

„Wasserschosser“ an Bäumen müssen entfernt werden

Wasserschosser an Bäumen sind einjährige Triebe und wichtig für den Aufbau unserer Obstgehölze. Wenn ich jährlich eine Art Heckschnitt der Bäume durchführe, wird der Baum an den Schnittstellen immer dichter und ich erreiche genau das Gegenteil. Versuchen Sie bestimmte neue Triebe am Baum zu lassen und maximal ein wenig einzukürzen und einen weiteren Teil der Triebe bis zur Basis wegzuschneiden. Auch die so genannten Wasserschosser haben eine Funktion für den Baum.

 

Jede Wunde muss mit einem Wundschlussmittel versehen werden

Früher wurde jede noch so kleine Wunde mit einem Wundmitttel behandelt. Heute weiß man, dass Bakterien und Pilze unter den Wundmitteln auch sehr gut gedeihen können. Das Wundmittel wirkt wie eine Schutzschicht für die Schadorganismen. Sollten Sie eine Wundbehandlung ausführen wollen, würde ich nur Wunden versorgen, die durch eine Säge entstanden sind. Die Wundbehandlung sollte dann unmittelbar nach dem Schnitt erfolgen und das möglichst mit einem fungizidhaltigen Wundverschlussmittel.

 

Alles im Garten muss im Herbst aufgeräumt werden

Nein, lassen sie alte Blütenstängel und Gräser im Winter stehen, sie werden erst im späten Frühjahr zurückgeschnitten. Sie sind wichtig als Winterschutz der Pflanzen und für unsere Insekten und Vögel.

 

Düngung von Pflanzen „viel hilft viel“

Diese alte Weisheit ist Gott sei Dank schon länger überholt. Ein zu viel an Düngern bewirkt genau das Gegenteil und belastet schließlich noch unsere Umwelt. Schauen Sie auf die Düngerempfehlung des Herstellers und überprüfen Sie von Zeit zu Zeit die Nährstoffe im Boden durch eine Bodenanalyse. 

 

Mischkultur-Tabellen sind immer zu befolgen 

Generelle Regeln lassen sich nur schwer erstellen, da sie ja auch von den konkreten Bedingungen vor Ort abhängig sind. Oft sind diese Tabellen auch falsch. Das klassische Beispiel, dass man Zwiebeln und Möhren zusammenpflanzen sollte, ist nicht richtig, da diese Pflanzen unterschiedliche Standortansprüche haben

 

Rosenkohl und Grünkohl braucht Frost

Es sind auch nur niedrige Temperaturen um 0°C ausreichend

 

Tiefer Rosenschnitt im Herbst

Rosen sollten im Herbst nur zum Teil zurückgeschnitten werden, so dass es im Winter nicht zu Frostschäden kommt. Erst im Frühjahr sollte dann der fachliche stärkere Rückschnitt erfolgen

 

 

 

Sven Wachtmann, Vorstandsmitglied für Fachberatung

09/2022

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